Fragen und Antworten rund um Wasserstoff und Wasserstoffleitungen

Welcher gesetzliche Rahmen gilt für Gashochdruckleitungen?

Ob Erdgas oder Wasserstoff - für die Errichtung und den Betrieb von Gashochdruckleitungen ist die Creos Deutschland an das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und an die Verordnung von Gashochdruckleitungen (GasHDrLtgV) gebunden. Gashochdruckleitungen müssen nach den Vorschriften dieser Verordnung und nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet und betrieben werden. Dafür dient das Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW).

Für den Bau und Betrieb von Wasserstoffleitungen und der dazu notwendigen Anlagen gelten hauptsächlich folgende Arbeitsblätter des DVGW-Regelwerkes:

     

  • Gashochdruckleitungen: G463 (Planung und Errichtung), G466/1 (Betrieb und Instandhaltung) und G409 (Umstellung von Gashochdruckleitungen für den Transport von Wasserstoff)
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  • Gasanlagen: G491 (Gas-Druckregelanlagen - Planung, Errichtung und Betrieb), G492 (Gas-Messanlagen - Planung, Errichtung und Betrieb), G497 (Verdichterstationen – Planung, Errichtung und Betrieb) und G495 (Gasanlagen – Betrieb und Instandhaltung).
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Wie laufen die Genehmigungsverfahren ab?

Das Genehmigungsverfahren hängt von der Leitungsdimension und Leitungslänge ab. Für größere Leitungen ab einem Durchmesser von 300 Millimeter werden zuerst das Raumordnungsverfahren und später das Planfeststellungsverfahren angewendet. Diese Verfahren werden von der zuständigen Planungsbehörde geleitet. Bei kleineren Dimensionen werden die einzelnen Genehmigungen und Erlaubnisse durch die Creos Deutschland eingeholt.

Von einem Strich auf der Karte bis zur genehmigten Leitungstrasse über Trassenkorridore finden zahlreiche Studien beziehungsweise Gutachten und Gespräche statt. Es werden zum Beispiel die Fauna, Flora, der Boden und Hydrologie untersucht und begutachtet. Die öffentlichen Stellen wie Behörden, Kommunen und weitere Träger öffentlicher Belange werden beteiligt. Ökonomische, ökologische, kulturelle und soziale Aspekte werden hier mitbetrachtet. Dazu gehört zum Beispiel auch eine sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung. Auf Basis der Ergebnisse und Abstimmungen wird die Leitungstrasse dementsprechend angepasst und der Untersuchungsumfang gegebenenfalls erweitert.

Wie läuft der Neubau einer Gasleitung technisch ab?

Nachdem alle Genehmigungen eingeholt worden sind, wird die Leitungstrasse für den tatsächlichen Bau vorbereitet. Dazu zählen Rodungsarbeiten, die nur im Winterhalbjahr durchgeführt werden dürfen.  Auch Kampfmitteluntersuchungen gehören zu den Vorbereitungen. Danach fangen die Tiefbauarbeiten mit dem Abschieben des Oberbodens und der Errichtung der Lagerplätze an. Die Rohre werden im Anschluss ausgefahren und als Rohrstrang zusammengeschweißt. Nach erfolgreicher Qualitätskontrolle (es werden zum Beispiel alle Schweißnähte mit zerstörungsfreien Prüfverfahren auf einwandfreie Ausführung geprüft), wird der Leitungsgraben ausgehoben.

Die Rohstränge werden im Graben abgesenkt, verbunden und der Leitungsgraben wieder verfüllt. Die Oberfläche wird abschnittsweise wiederhergestellt. Als entscheidende Abnahmeprüfung erfährt die Leitung eine Wasserdruckprobe zur Festigkeits- und Dichtheitsprüfung. In diesem Verfahren wird die Leitung mit Wasser gefüllt und anschließend weit über den später zulässigen Betriebsdruck belastet. Mit der erfolgreichen Prüfung darf die Leitung in Betrieb gehen. Daraufhin findet die Oberflächenwiederherstellung statt und der Neubau endet, wenn die Oberfläche ordnungsgemäß abgenommen wurde.

Für die Bauausführung der Rohrverlege- und Schweißarbeiten werden nur Firmen mit entsprechender Zulassung gemäß dem DVGW-Regelwerk zugelassen. Die Tiefbaufirmen müssen die Anforderungen nach dem DVGW-Arbeitsblatt GW 381 erfüllen. Die Rohrbaufirmen müssen über die Qualifikation G1 gemäß DVGW-Arbeitsblatt GW 301 verfügen.

Die Rohrbauarbeiten und die Wasserdruckprobe werden von einem externen anerkannten Sachverständigen überwacht und abgenommen. Die Bauarbeiten werden auch von externem Fachpersonal für Umwelt, Sicherheit, Gesundheit, Boden begleitet.

Aus welchem Material bestehen die Leitungen?

Die Leitungen werden aus Stahlrohren hergestellt, die aktiv und passiv gegen Korrosion geschützt werden. Dies erfolgt mit einer besonderen Ummantelung und durch einen aktiven kathodischen Korrosionsschutz, bei dem ein Schutzstrom die Leitung vor Korrosion schützt.

Wie tief werden die Leitungen verlegt?

Mindestens 1,20 Meter, bei bewirtschafteten Flächen (Wald und Ackerflächen) in der Regel mindestens 1,50 Meter.

Mein Grundstück ist betroffen - Gibt es Entschädigungen?

Eigentümer werden je nach betroffener Fläche sowie Lage und Art des Grundstücks in unterschiedlicher Höhe entschädigt. Es wird eine einmalige Entschädigung gezahlt; diese enthält neben der Entschädigung für den Wertverlust des Grundstücks zusätzlich eine Aufwandsentschädigung. Bei landwirtschaftlich genutzten Flächen gibt es zusätzlich eine Entschädigung für entgangene Ernteerträge.

Darf die Creos jederzeit auf mein Grundstück?

Bereits während der Planung werden mit den Grundstückseigentümern Wegerechte und Dienstbarkeiten geklärt. Dies dient dazu, dass die Creos die Leitung auf dem Grundstück errichten darf, aber auch dazu, dass sie für regelmäßige Kontrollen der Leitung oder bei Störungen jederzeit das Grundstück im Bereich des Schutzstreifens betreten darf. Eine sogenannte beschränkte persönliche Dienstbarkeit zur Sicherung der Leitungsrechte wird für jedes Flurstück im Grundbuch eingetragen.

Kann ich mein Grundstück „normal“ weiterbenutzen?

Betroffene Flächen (Bereich über der Leitung sowie ein Schutzstreifen) können eingeschränkt weiterverwendet werden zum Beispiel als Acker- und Weideland oder als Verkehrsweg. Im Bereich des Schutzstreifens dürfen keine Gebäude oder bauliche Anlagen errichtet werden. Bäume dürfen nicht gepflanzt werden.

Muss ich der Verlegung auf meinem Grundstück zustimmen?

Kommt keine Einigung über den Abschluss eines Gestattungsvertrages und einer eventuell benötigten beschränkten persönlichen Dienstbarkeit zu Stande, so muss die Creos Deutschland die Grundstücksnutzung für die Trasse anders erwirken. Dazu ist sie nach dem Energiewirtschaftsgesetz, § 45, berechtigt. Dies kann über eine „Enteignung“ erfolgen. Diese bezieht sich jedoch lediglich auf die Teile des Grundstücks, in denen die Leitungstrasse liegt.

Weitere Informationen zu Entschädigungen und Dienstbarkeiten.

Wasserstoff ist hoch entzündlich – wie wird die Sicherheit gewährleistet?

Alle Leitungen der Creos Deutschland werden nach den aktuellen Normen und technischen Regelwerken geplant, errichtet und betrieben. Beispiele hierfür sind erhöhte Sicherheitsbeiwerte bei Auslegung der Wanddicke des Rohres, Druckproben und Schweißnahtprüfungen durch Röntgen und Ultraschall vor der Inbetriebnahme, die ständige Überwachung durch Befahrung und Befliegung sowie Fernmelde- und Fernwirktechnik und aktiver kathodischer Korrosionsschutz (KKS).

Was wird für die Sicherheit unternommen, wenn eine bestehende Leitung auf Wasserstoff umgestellt wird?

Als Grundlage für die sogenannte Umstellung gilt das Merkblatt G409 „Umstellen von Gashochdruckleitungen für den Transport von Wasserstoff“. Dafür wird in vier Phasen vorgegangen: Sammeln von Informationen über die Leitung - Entnahme und Untersuchungen von Proben im Labor und Untersuchungen an der Leitung - Arbeiten an der Leitung - Sonderbegehungen. Erst wenn die Auflagen der Behörden und Sachverständigen erfüllt sind, darf die Leitung mit Wasserstoff in Betrieb genommen werden. Nach der Inbetriebnahme werden in der Regel über die ersten Wochen und Monate Sonderbegehungen und Kontrollen durchgeführt und protokolliert.

Welche Sicherheitsmaßnahmen werden während des Betriebs der Leitungen durchgeführt?

Die Leitungen werden zweimal pro Jahr begangen/befahren und monatlich mit einem Hubschrauber beflogen. Die Leitungen verfügen über eine Drucküberwachung und können über entsprechende Absperrarmaturen jederzeit von der Versorgung getrennt werden.

Welche Gefahren bestehen für die Anwohner/Bürger?

Leitungsbeschädigungen oder eine Havarie sind äußerst selten und treten fast ausschließlich durch Fremdeinwirkung (zum Beispiel Beschädigung durch Bagger) auf. Tiefbauunternehmen sind verpflichtet, sich vor Aufnahme ihrer Arbeiten in der Nähe bestehender Leitungen und Anlagen entsprechende Leitungsauskünfte bei den Netzbetreibern einzuholen. Die Creos Deutschland wird neben der Ausgabe von entsprechenden Plänen auch vor Ort durch fachkundiges Personal unterstützen.

Gibt es einen festgelegten Mindestabstand zwischen einem Wohnhaus und der Leitung?

Wohngebäude fallen gemäß DVGW Arbeitsblatt G 463 unter den Begriff der „bebauten Gebiete“. Der Bereich bis 20 Meter Abstand zwischen Leitung und Wohnhaus fällt unter diese Definition.

Eine Bebauung im Schutzstreifen der Leitung ist nicht zulässig. Die Breite des Schutzstreifens einer Gashochdruckleitung ist abhängig vom Rohrdurchmesser. Für eine Leitung mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter ist der Schutzstreifen zehn Meter breit, und zwar jeweils fünf Meter rechts und links der Rohrleitungsachse.

Kommt es zu optischen Einschränkungen durch Anlagen oder Trassen?

Die Leitungstrasse und Teile des Schutzstreifens werden von Vegetation freigehalten. Ein Bewuchs mit Bäumen ist nicht möglich. Die Leitungstrasse wird mit Schilderpfählen markiert. Anlagen sind umzäunt. Alle diese Maßnahmen dienen der zusätzlichen Sicherheit. Bei der Planung werden landschaftsgestalterische Belange möglichst berücksichtigt.

Welche Umweltauswirkungen auf Fauna und Flora sind möglich?

Bereits während der Planungsphase werden Informationen zum Beispiel zu Natur- und Wasserschutzgebieten und Biotopflächen eingeholt. Es erfolgen zahlreiche Gespräche mit den zuständigen Behörden, den betroffenen Kommunen sowie mit Trägern öffentlicher Belange, um mögliche Auswirkungen auf Mensch und die Umwelt umfassend zu betrachten und Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Ökonomische, aber auch soziale und kulturelle Schutzgüter werden bei der Planung berücksichtigt.

Wo notwendig, wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Hinzu kommt ein landschaftspflegerischer Begleitplan, in dem Maßnahmen zur Minimierung und zur Kompensation der Eingriffe festgehalten werden.

Vor allem in Wäldern werden Baumfällarbeiten nicht zu vermeiden sein. Diese finden jedoch immer nur in der „wachstumsarmen Zeit“ statt. Tiere werden nur während der Bauzeit gestört werden. Bei Bedarf erfolgt eine Umsiedlung besonders schützenswerter Tierarten wie beispielsweise Ameisen oder Eidechsen. Des Weiteren wird der wertvolle Mutterboden gesichert, gelagert und nach Abschluss der Maßnahmen wieder aufgetragen.

Ist Wasserstoff gefährlicher als Erdgas?

Grundsätzlich hat Wasserstoff ähnliche Eigenschaften wie Erdgas, er ist ebenfalls ungiftig und gasförmig nicht sichtbar. Er kann, wie Erdgas auch, mit Luft Gemische bilden, die durch eine Zündquelle zur Explosion führen. Der Volumenbereich des Wasserstoffes in Luft, bei welchem eine Explosion stattfinden kann, ist jedoch deutlich größer als bei Erdgas. Dafür entweicht Wasserstoff durch seine geringe Dichte sehr schnell in die Atmosphäre. Bereits Kokerei- bzw. Stadtgas enthielt bis zu 50 Prozent Wasserstoff und wurde über ähnliche Leitungssysteme transportiert. Heute sind die technischen Standards im Leitungsbau deutlich höher.

Kann man Wasserstoff riechen?

Wasserstoff ist – ähnlich wie Erdgas – farb- und geruchlos. Lediglich in der (örtlichen) öffentlichen Gasversorgung werden Odorierungsstoffe (nach DVGW G 280) eingesetzt, um mögliche Leckagen aufzuspüren. Dabei werden oftmals schwefelhaltige Mittel verwendet, sie sorgen bewusst für einen unangenehmen Geruch. Auch Wasserstoff kann grundsätzlich ein Odoriermittel beigefügt werden. Dies ist jedoch abhängig davon, wo und wofür der Wasserstoff verwendet wird. Für das geplante Wasserstoffnetz ist – wie auch im Creos Erdgasnetz - keine Odorierung vorgesehen.

Kann ich als Privathaushalt von Wasserstoff profitieren?

Prinzipiell stehen die Gas- und Wasserstoffleitungen jedem zu gleichen Bedingungen offen. Allerdings müssen die hohen Drücke durch entsprechende Anlagen für Privathaushalte reduziert werden. Praktisch ist der Anschluss an eine Hochdruckleitung für einen typischen Haushaltsbedarf zu aufwendig.

Ein Anschluss ist trotzdem mittelbar möglich: Wenn mehrere private Kunden einen Anschluss ans Netz wünschen, kann dies gebündelt erfolgen – in der Erdgasversorgung übernimmt diese Rolle das Stadtwerk oder andere örtliche Netzbetreiber. 

Ist eine Wärmeversorgung eines Privathaushaltes grundsätzlich mit Wasserstoff möglich?

Ja. Dies kann im einfachsten Fall analog zu Erdgas über eine Brennwerttherme erfolgen – neueste Modelle sind bereits auf Wasserstoff umrüstbar. Auch ein Wasserstoff-Erdgas Gemisch ist möglich. Ein alternatives Konzept ist die Brennstoffzellenheizung: Aus Wasserstoff wird Strom gewonnen und hauptsächlich die als Nebenprodukt entstehende Wärme zum Heizen genutzt.

Ist eine Versorgung von Haushalten mit Wasserstoff kurz- oder mittelfristig geplant?

Die kommunale Wärmeplanung verpflichtet Kommunen und Gemeinden, in den nächsten Jahren ein Konzept vorzulegen, wie die Wärmeversorgung der einzelnen Haushalte in Zukunft erfolgen soll. Ob Wasserstoff, Wärmepumpe, Wärmenetze oder Biomasse zum Einsatz kommen, ist sehr individuell von den Gegebenheiten vor Ort abhängig.

Warum braucht das Saarland überhaupt Wasserstoff?

Auch wenn wesentliche Elektrolyse-Projekte im Saarland derzeit nicht realisiert werden oder auf Eis gelegt sind, wird eine Wasserstoff-Infrastruktur für eine klimaneutrale Zukunft notwendig sein. Denn der Wasserstoffhochlauf wird kommen – früher oder später. Davon ist die Creos überzeugt.  Die benötigte Infrastruktur ist das Rückgrat, das Wasserstoff-Konsumenten und Wasserstoff-Produzenten verbindet und den Transport sowie die Verteilung von Wasserstoff ermöglicht. Das ist die Rolle der Creos als Netzbetreiber für Wasserstoff. Und dieser Rolle kommt sie mit vollem Engagement nach. Damit die Infrastruktur bereitsteht – und das nicht nur für die ersten Projekte, sondern langfristig für die nächsten hundert Jahre. Nur mit dieser Verlässlichkeit kann ein Strukturwandel in der Region gelingen, der ohne fossile Energieträger auskommt, und dabei Prosperität, Innovation, Energietransformation und Arbeitsplätze sichert. Davon ist die Creos überzeugt und hat dies auch in ihrem Positionspapier Wasserstoff verabschiedet. ((link aufs Positionspapier Wasserstoff

Wann kommt der erste Wasserstoff ins Saarland?

Die ersten Wasserstoffmengen von rund 6.000 Tonnen pro Jahr hat der französische Wasserstoff-Produzent Verso Energy für die Stahlindustrie zugesagt. Nur mit dem Wasserstoffnetz mosaHYc ((link auf die Projektseite)) wird es möglich sein, diese in Frankreich produzierten Mengen über das grenzüberschreitende Netz nach Dillingen zu transportieren. Dabei arbeiten die Netzbetreiber Creos in Deutschland und naTran in Frankreich eng zusammen: In Frankreich werden vorhandene Leitungen auf Wasserstoff umgestellt. Auf der deutschen Seite wird eine Leitung von Leidingen nach Dillingen neu errichtet. Vorbereitende Rodungen fanden im Februar 2026 statt. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird mit dem Bau begonnen. 

Wird das Wasserstoffnetz mosaHYc ausreichen, um die zukünftigen Wasserstoffbedarfe im Saarland zu sichern?

mosaHYc ist ein Inselnetz, über das bereits in zwei Jahren die ersten Wasserstoff-Mengen für die Dillinger Hütte bereitgestellt werden. Es ist zukunftssicher ausgelegt, sodass es auch künftige größere Mengen sicher und zuverlässig transportieren wird. Dazu gehören nicht nur die steigenden Bedarfe der Dillinger Hütte, sondern auch schon jetzt absehbare Bedarfe anderer potenzieller Wasserstoffkunden, seien es nun Produzenten oder eben Konsumenten, wie zum Beispiel die Glas-, Keramik- und Chemische Industrie, sowie zukünftige Gaskraftwerke, die perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden sollen.

Deshalb arbeitet die Creos Deutschland derzeit auch an einer weiteren wesentlichen Wasserstoffleitung von Seyweiler nach Dillingen: Die Kombination aus mosaHYc und der Leitung Seyweiler-Dillingen ist im Saarland die unverzichtbare Infrastruktur, um die Versorgungssicherheit der zukünftigen Wasserstoff-Netzkunden sicher, langfristig leistungsfähig und zuverlässig zu gewährleisten. Gerade durch die Verpflichtung, dies im Rahmen des sogenannten deutschen Wasserstoff-Kernnetzes zu bewerkstelligen und bis Anfang der 2030er Jahre umzusetzen, zeigt, wie ernst es der Creos ist.

Das Projekt mosaHYc  und das Wasserstoffprojekt Hy4link, das die Creos Luxemburg mit Partnern aus Belgien und Frankreich vorantreibt, bilden zusammen eine Wasserstoffinfrastruktur im Herzen der Großregion und im Herzen Europas. Damit hat die Großregion ein unglaubliches Potenzial, von der europäischen Wasserstoff-Infrastruktur zu profitieren: Dieses Netz ist ein zentraler Baustein für die Versorgungssicherheit und die zukünftige Weiterentwicklung der Dekarbonisierungs-Strategie im Saarland und der Großregion.

MosaHYc ermöglicht zukünftig die Anbindung an die europäischen Leitungsprojekte Hy4Link in Luxemburg und HY-FEN in Frankreich. So kann Wasserstoff sowohl aus dem Südwesten über die iberische Halbinsel und Süd-Frankreich als auch aus dem Norden über Luxemburg und Belgien ins Saarland gelangen. Über das deutsche Wasserstoff-Kernnetz besteht ein dritter Import-Korridor aus dem Nordosten, über den u.a. Wasserstoff aus Skandinavien bezogen werden kann. Durch entsprechenden Import von Wasserstoff aus unterschiedlichen Ländern kann sowohl der Bedarf der Stahlindustrie von 120.000 Tonnen pro Jahr als auch der prognostizierte Bedarf anderer Sektoren gedeckt werden; durch die Infrastruktur der Creos in Deutschland und Luxemburg wird der Wasserstoff dort ankommen, wo er benötigt wird.

Grundlagen

Das kleinste chemische Element speichert in seiner molekularen Form als H2 Energie, die durch die Reaktion mit Sauerstoff freigesetzt werden kann. Dabei entsteht Wasser (H2O) als einziges Reaktionsprodukt – Es wird kein CO2 freigesetzt.

Wasserstoff ist mit einer Dichte von 90 g/m³ deutlich leichter als Erdgas (790 g/m³) – dabei hat es mit 3,54 kWh/m³ auch nur circa ein Drittel des Brennwerts von Erdgas (10,8-11,5 kWh/m³).

Gewinnung

Wasserstoff kann mittels Elektrolyse mit erneuerbarem Strom klimaneutral gewonnen werden, indem Wassermoleküle in ihre Bestandteile zerlegt werden. Die Gewinnung kann quasi unbegrenzt skaliert werden: Zur Deckung des gesamten Energiebedarfs der Menschheit mittels Wasserstoffs werden inklusive Umwandlungsverlusten circa 0,16 Promille der Sonneneinstrahlung und jährlich 0,05 Promille des Wasservorkommens benötigt.

Verwendung als Energieträger und Speicher

Als Energieträger kann Wasserstoff zur Rückverstromung mit Brennstoffzellen oder in klassischen Gaskraftwerken sowie in Hochtemperaturanwendungen zum Einsatz kommen. Die saisonale Speicherfähigkeit von Wasserstoff ist ein großer Vorteil: Bezogen auf Deutschland lassen sich allein in Gasspeichern 220 TWh Energie speichern. Wasserstoff entzerrt die Produktion und Abnahme von erneuerbarer Energie räumlich und zeitlich.

Transport im Gasnetz – Vorteile

Der Transport in Rohrleitungsnetzen ist technisch beherrschbar. Trotz des geringeren Energiegehaltes pro Volumen bleibt bei der Umstellung von bestehenden Erdgasnetzen auf Wasserstoff ein Großteil der Transportkapazität erhalten. Die Kosten für den Energietransport pro Kilometer und Gigawatt im Rahmen des europäischen Wasserstoffnetzes Hydrogen Backbone liegen außerdem deutlich niedriger, als die Kosten pro Kilometer und Gigawatt mittels Stromleitungen.